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"Man kann im Rock'n'Roll nichts Neues erfinden"
Interview: Barbara MürdterJesse Hughes ist ein klassisches Gewächs des US-amerikanischen Südens, musikalisch wie in seiner Weltsicht. Er wurde von Classic Rock Radio, Rock'n'Roll, Country und Gospel geprägt. Später kam dann Punk à la Black Flag dazu. Musikalisch führte das zu einem recht interessanten dritten Album namens „Heart On“, das im Frühjahr erschien und mit dem Hughes grad auf Festivaltour in Deutschland war.
Politisch führt der Zusammenprall von stockkonservative Werten im mit der modernen Welt jedoch zu ziemlich abstrusen Verwerfungen. Im Interview kramt er so tief in der Südstaaten-Klischeekiste des vormodernen Denkens, dass nicht nur dem eher linksgerichteten Europäer Angst und Bange wird, dann wiederum bezeichnet er den schwarzen und schwulen Little Richard als sein Rollenvorbild. Damit taugt er auch nicht als Idol für stramme Rechte. Ein mit Bedacht zu lesendes / hörendes Interview.
Jesse Hughes / Foto: Barbara Mürdter
Das Interview kompakt in der deutschen Übersetzung findet ihr auf Dorfdisco.de.
This is the original English audio of the interview.
1 Was Du mit Eagles of Death Metal machst, erinnert mich an Glam Rock. Aber damals, Anfang der 70er, hat man Klischee-Frauenbilder ironisiert. Heute machst Du das mit Klischee-Männerbildern. Ist der Eindruck richtig? / Eagles of Death Metal reminds me of Glam Rock, only that then, in the early 70s, cliché female images were made fun of. Today, you do the same with cliché male images. Is that a right impression?2 Denkst Du, dass es auch ein Zeichen der Zeit ist, Glamrock damals und das was Du jetzt machst. Damals waren die Rechte für Schwule und für Frauen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, heute diskutiert man wieder viel über klassische heterosexuellen Männerbilder. Oder siehst Du das als Zufall? / Do you think that this is a sign of the times, rights for gays and women being a top issue back then while these days classic male immages are much talked about? Or do you think this is just by chance?
3 Du bist im US-amerikanischen Süden groß geworden. Der hat ja eine ganz spezielle, eigene Kultur. Inwieweit hat Dich das musikalisch, aber auch allgemein geprägt? / You grew up in the American South which has its own very special culture. How has it influenced you musically, but also in general?
4 Hybridität ist ja eine allgemeine Tendenz derzeit, in allen musikalischen Bereichen. Hybridity is a tendency you will find in all musical genres at the moment.
5 Little Richard ist, wie ich las, ein Idol für Dich, was das Image betrifft. Richtig? / As far as I have read Little Richard is your musical idol. Is that right?
6 Da haben wir aber wieder den Bogen zum Glam-Rock. Die beiden hatten definitiv einen weiblichen Touch in ihrem Auftreten. Und bei Dir ist es das Gegenteil – du hast diese übertrieben Männlichkeit. / So we are going full circle coming back to Glam Rock. The two of them definitely had a female touch in their performance. On the contrary, you have this over the top masculinity.
7 Ja, ich hörte, Du kannst das eine oder andere Bemerkenswerte über Schnurrbärte erzählen. / Well, I've heard you can say one or the other remarkable thing about moustaches.
8 Zurück zur Musik. Deine Einflüsse waren also Rock, Gospel, Punk und Little Richard... / Coming back to the music. So your influences there were Rock, Gospel, Punk and Little Richard...
9 Bist Du eigentlich auf dem Land oder in der Stadt groß geworden? / Did you actually grow up in a city or in the country?
10 War es denn in South Carolina noch eher altmodisch oder schon moderner? / Was the way of thinking in South Carolina still very old fashioned or already fairly modern?
11 Na, du warst ja auch auf der Uni. Und es gibt sicher auch einiges Gutes im modernen Denken, grad wenn man den US-amerikanischen Süden sieht... / Well, you went to university and there are certainly some good things about modernization, especially looking at the American South...
12 Aber ist diese absolute Technologiegläubigkeit nicht auch eine Sache, die schon wieder vorbei ist? Zumindest in Deutschland war das doch eher eine Sache der 50er, 60er und 70er. / But wasn't this belief in technology as a saviour more a thing of the 1950s, 60s and 70s? At least in Germany it was.
13 Das war ja nun eine sehr heterogene Generation. Manche haben ja durchaus auch was erreicht, wie Obama. / Well, it was actually quite a heterogenous generation. Some people actually achieved something, like Obama.
14 Was wäre dann aus deiner Sicht die bessere Wahl gewesen? / Who would have been the better choice from your point of view?
15 Zurück zur Musik. Das neue Album. Ich las, dass es unter anderem von Captain Beefheart beeinflusst wurde. / Coming back to music and the new album. I read that one of the influences was Captain Beefheart.
16 Kannst Du was zu den Aufnahmen für das neue Album sagen? / Could you say something about the recordings for the new album?
17 Welchen Einfluss hat Josh Homme bei den Eagles of Death Metal? Er ist ja nicht in der Tourband. / What role does Josh Homme play in the Eagles of Death Metal? He is not in the tour band.
18 Hat eigentlich der doppeldeutige Albumname – „Heart On“, was gesprochen auch so kling wie „Hard-On“, also Ständer, Erektion, im englischsprachigen Raum für Aufregung gesorgt? / Did you raise any dust in English speaking countries with the double meaning of the album name „Heart On“, which sounds like „Hard-On“ when you say it?
19 Wo wir gerade bei körperlichen Dingen sind – Du hast tolle Tattoos. / Talking about physical things – you've got great tattoos.