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Themen

Folkmusik mit Schnörkeln

Interview: Barbara Mürdter

Die 28jährige Bostoner Musikerin und Malerin Marissa Nadler liebt es altmodisch und feminin: Sie mag Spitzen, Schnörkel und morbiden Folk. Sie selbst erscheint in ihrer ätherischen Art, mit ihrem glockenhellen Mezzosopran und wallenden Kleidern wie der gütige Todesengel. Musikalisch reichen die Referenzen durch die US-amerikanische Musik zurück bis in die alte Folktradition der britischen Inseln. In den Songs lauern Geister, Gespenster und Tote, irre Gestalten und liebende und verlassene Frauen. Immer wieder finden sich bei ihr auch literarische Bezüge, von Edgar Allen Poe über Virginia Woolf bis zu Pablo Neruda.


Marissa Nadler / Foto: Barbara Mürdter


Auf der anderen Seite ist Nadler sie eine moderne junge Frau, die sich als stark und ihre Haltung als „postfeministisch“ beschreibt. Auch wenn sie in ihrem eigenen Universum vor sich hin werkelt und ihre Welt erschafft, steht sie im Kontext der Psych Folk-Szene, die sich in den letzten Jahren in den USA entwickelt hat und zu der u.a. auch Alela Diane oder Joana Newsome gerechnet werden. Diese wieder ist Teil der New Folk-Szene, bereits vor drei Jahren in den einschlägigen Feuilletons ausgemacht wurde, aber immer noch neue Stars hervorbringt.

So ein Star wird Nadler niemals sein, weil sie in ihrer Eigenwilligkeit zu sehr polarisiert. Sie hat sich ihre eigene Fangemeinde erspielt und versucht sich immer wieder an neuen Ausdrucksformen. Auf ihrem aktuellen, vierten Album „Little Hells“ verabschiedet sie sich von fremden Geschichten und erzählt ihre eigenen. Auch musikalisch ist es das bisher abwechslungsreichste Werk ihrer Karriere. Der morbide, ätherische Grundcharakter bleibt.


Auf Deinem neuen Album gibt es einen Wandel in der Erzähltechnik – Du redest das erste mal in der ersten Person von deinen Gefühlen.
Die vorangegangenen Platten waren schon auch persönlich, aber ich habe oft von mir in der dritten Person gesprochen. Ich habe ein ganzes Album gemacht, das von mir in der dritten Person erzählt. Aber bei diesem neuen Album habe ich mir gesagt: Scheiß drauf, ich sage einfach, was ich fühle, ohne dichterische Techniken.

Und sind das dann echte Geschichten aus Deinem Leben oder bewegt sich das ganze mehr auf einer dichterischen Ebene?
Mehr auf einer dichterischen Ebene. Zum Beispiel der Song „Rosary“ - ich habe keinen Rosenkranz, ich bin nicht mal katholisch. Die Geschichte fiel mir einfach ein. Und „Mary Come Alive“ – ich kenne niemanden, der Mary heißt. Es ist eine Mann / Frau-Geschichte. Der Mann versucht seine Frau vom Selbstmord abzuhalten. Aber die anderen Songs auf dem Album erzählen in der ersten Person und handeln wirklich von mir.

Wenn du Musik schreibst, sind da die Texte wichtiger für dich oder die Musik?
Sie sind mir gleich wichtig. Ich schreibe immer die Melodie zuerst. Ich schreibe nie Texte und dann die Musik dazu. Vielleicht ist mir dann doch die Melodie wichtiger.

Auf dem Album geht es sehr um Verlassen und Weggehen, wen ich es richtig verstanden habe...
Klanglich ist das Album sehr divers, das wollte ich nach meinem letzten Album unbedingt erreichen, um zu zeigen, dass ich viele Facetten habe. Wenn man so viel über sich selbst liest fängt man an, das zu glauben. Und ich wollte mir selbst beweisen, dass ich fähig bin, viele verschiedene Musikstile zu spielen. Aber es geht viel um Verlust, Einsamkeit, Begehren, Lust, Verlassen auf diesem Album.

Du beschäftigst dich in Deinen Texten mit Frauenschicksalen, Frauenbildern. Du hast Songs über berühmte, aber psychisch kranke Frauen wie Sylvia Plath geschrieben und...
Nein, „Sylvia“ ist nicht über Sylvia Plath! Das glauben alle, aber Sylvia Plath ist nicht ins Wasser gegangen, sondern hat ihren Kopf in einen Herd gesteckt. Wenn man sich den Text ganz genau anhört, dann heißt es „the water is your friend / down and down and down you go“. Wenn, dann geht es in dem Song eher um Virginia Wolf.

Aber einen Song über Virginia Woolf hast du tatsächlich geschrieben...
Ja, auf meinem ersten Album. Das ist eine sehr literarische Platte. Ich mag sie noch, aber alter Schwede, war ich da prätentiös! Ich mag die Songs noch, aber Edgar Allen Poe auf einem Debütalbum zu zitieren, oder einen Pablo Neruda-Song auf Spanisch zu covern, oder einen Song über Virginia Woolf zu schreiben – das war mutig, und ich glaube ich habe einiges von diesem Mut auf meinem neuen Album wiedergefunden. Aber auf eine völlig andere Art – indem ich aus der ersten Person geschrieben habe.

Würdest du dich als starke Frau bezeichnen?
Ja, das ist lustig, weil ich viel über Schwäche rede. Ich glaube, im Postfeminismus darf man zugeben, dass man einsam ist, man darf Make-Up tragen. Man darf feminin sein und trotzdem eine knallharte Gitarre spielen. Ich bin höllisch stark, ich reise überall alleine hin, durch das ganze Land und durch die ganze Welt. Ich spiele besser Gitarre als die meisten Männer die ich kenne. Ja, ich schminke mich auch und trage hübsche Kleider und Spitze und bin einsam. Aber ich glaube, dass Frauen Gesellschaft brauchen. Das ist nur menschlich zu sagen, dass eine Frau einen Mann braucht, oder dass eine Frau eine Frau braucht, oder dass ein Mann eine Frau braucht. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von menschlicher Zerbrechlichkeit.

Ich muss nicht meinen Scheißkopf rasieren, mich tätowieren lassen und total männlich rüberkommen, um stark zu wirken. Ich halte mich für eine sehr starke Frau, die nur sehr unter ihrer Einsamkeit leidet.

Virginia Woolf war auch eine sehr starke Frau, aber sie hat in einer Gesellschaft gelebt, die sie als starke Frau letztendlich doch zerstört hat...
Geisteskrankheit ist eine Gehirnkrankheit, und unterscheidet sich meiner Meinung nicht von einem Krebsgeschwür in einem Körperteil. Die Mutter eines sehr guten Freundes hat sich wegen so was grad das Leben genommen, deshalb ist mir das Konzept momentan sehr präsent. Ja, Virginia Wolf war verdammt stark, genau wie Anne Sexton und Sylvia Plath. Die Gesellschaft, in der sie gelebt haben hat sie vielleicht nicht genug angenommen.

Sylvia Plath kämpfte zum Beispiel damit, Mutter und Ehefrau in den 50ern zu sein, und gleichzeitig zu versuchen, eine der größten Dichterinnen ihrer Generation zu sein. Ich selber bin jetzt 27 und sollte eigentlich längst verheiratet sein, wenn wir noch in den 50ern leben würden, und schon mein zweites Kind haben. Ich habe aber die Freiheit, mich nicht mehr dieser kulturellen Forderung unterwerfen zu müssen. Es tut mir Leid für diese Frauen, die unter solchen Umständen leben mussten, und glaube, wir können uns sehr glücklich schätzen, dass sie den Weg für uns geebnet haben.

Wo wir grad über Familie reden – kannst Du etwas zu deiner Familie erzählen, und wie du Kunst und Musik entdeckt hast?
Dazu werde ich mich nur kurz äußern, weil es persönlich ist. Ich bin in einer sehr künstlerischen Familie aufgewachsen. Meine Mutter ist Malerin und mein Bruder ist Schriftsteller und Maler. Meine Mutter lehrte mich zu malen, sie hat mir Pinsel in die Hand gedrückt, als ich ein kleines Mädchen war. Ich habe früh ein Talent für Bildende Kunst entwickelt, nicht Musik oder Schreiben. Mein Bruder war der Musiker. Wenn ich mal Kinder habe, werde ich nicht eins als das und das andere als das erziehen. Ich wäre ansonsten vielleicht früher Musikerin geworden. So habe ich mit etwa 14 angefangen, Gitarre zu spielen, aber hätte lieber schon mit fünf angefangen. Meine Familie ist aber unglaublich unterstützend, was die Kunst betrifft. Ich hatte Glück, dass sie nie gesagt haben: Such Dir einen vernünftigen Beruf.

Du hast mehrere Jahre Bildende Kunst studiert und bist eine autodidaktische Musikerin. Wie verbindest du die beiden Sachen und was ist, wenn überhaupt wichtiger für dich?
Nun ja, die Musik ist jetzt mein Leben., meine Karriere. Aber beide Sachen sind wichtig für mich. Ich glaube, ich habe mehr Spaß mit der Musik, weil ich Autodidaktin bin und konstant dazulerne.

Wie kam es, dass Musik zu Deinem Hauptberuf wurde?
Ich hatte meinen Magister als Kunstlehrerin gemacht, nach meinem Bachelor in Bildender Kunst. Danach habe ich ein Jahr in Brooklyn gelebt und in Harlem Kunst unterrichtet. In diesem Jahr bekam ich ein Angebot für eine Europatournee. Das war wie eine Weggabelung im Wald. Ich bin mir nicht sicher ob ich daran philosophisch glaube, Kunst zu unterrichten. Irgendwas machte da Klick in meinem Kopf. Mein erstes Album begann auch, sehr gute Kritiken in der Untergrundpresse zu bekommen.

Und irgendwelche Waliser, die ich gar nicht weiter kannte, wollten eine Tour für mich buchen. Da dachte ich: Klar. Das war eine Gelegenheit, mit der ich gar nicht gerechnet hatte. Mir ging es auch nicht so gut, weil ich grad eine Trennung hinter mir hatte und einfach aus New York raus wollte. Das war der Moment, wo ich anfing, meine Musikkarriere ernsthaft zu verfolgen und habe damit bisher nicht aufgehört.

Dein letztes Album wurde von Greg Weeks von den Espers produziert. Jetzt hast Du einen neuen Produzenten. Wer ist das und inwiefern hatte er Einfluss auf den Klang der Platte?
Der heißt Chris Cody. Er hat schon als Produzent für eine ganze Menge recht angesagter Indiebands gearbeitet. Als mir mein Label nahe legte, ich soll mir doch einen Produzenten suchen, habe ich zunächst gesagt habe: „Niemals“. Dann habe sie mir aber eine Liste mit Leuten geschickt und ich habe mir angeschaut, mit wem die schon gearbeitet hatten. Chris Cody hatte mit Cat Power gearbeitet, mit Entrance und einer Menge Bands, die ich sehr mag und da habe ich gesagt: „Wie wärs mit dem?“ Ich glaubte gar nicht, dass er ja sagen würde.

Aber er hat sich meine Demos angehört und fand sie wirklich toll. Seine Lieblingsbands waren Fleedwood Mac, Linda Perhacs' „Parallelograms“, und Kate Bush. Er kommt also aus einer ähnlichen Ecke wie ich. Er ist ein Indierock-Produzent, hat aber immer von so einem Projekt wie diesem geträumt, nur noch nicht das richtige Mädel dafür getroffen. Er hatte also wirklich Lust darauf und hat es für sehr wenig Geld gemacht. Ich habe ihm gesagt, ich will ein Album machen, dass sich anhört wie „Twin Peaks“ trifft auf „Edward mit den Scherenhänden“ trifft auf „Dusty in Memphis“ trifft auf all diese verschiedene Dinge. Er sagte: „OK!“ So hat das funktioniert.

Greg ist immer noch ein guter Freund, aber ich wollte einfach etwas neues ausprobieren, einen völlig neuen Sound. Das kann man einem Mädel nicht vorwerfen. Ich wechsele die Kunstformen, ich ändere Klänge, ich erfinde mich glaube ich gern immer wieder mal ein bisschen neu. Aber gleichzeitig ist das immer noch sehr eine Marissa-Platte. Die Themen sind fast gleich morbide, verträumt und atmosphärisch, nur voller.

Siehst du dich mit deiner Musik als Teil einer bestimmten Szene?
Nein, auch wenn ich die Musik vieler aktuelle Musiker und Musikerinnen sehr mag. Ich liebe Alela Diane und Mary Sioux, Josephine Foster, James Blackshaw, Jack Rose...Ich nenne hier die weniger bekannten Künstler. Ich bin auch ein großer Fan von Gillian Welch, Neko Case und Cat Power, aber warum soll man sie nennen, wenn man Leute erwähnen kann, die meine Freunde sind: Jesse Sykes and The Sweet Hereafter, Earth, SunO))), Boris, Witchcraft. Auch die Espers, mit denen habe ich auch schon gespielt, die sind cool.

Ich lebe nur mal in Boston, und niemand lebt in Boston. Philladelphia hat eine Psych Folk-Szene, und Nevada City hat eine Szene, da kommen Joana Newsome, Mary Sioux und Alela Diane her. Providence, wo ich studiert habe, da gab es noch Larkin Grimm. Wer kommt aus Boston? Die Pixies, Throwing Muses, Belly, die Lemonheads. Aber jemand aktuelles außer mir? Es gibt ein paar coole Bands wie Drug Rug und Tulsa, aber niemand, der ähnliche Musik wie ich macht.

Schon mal an einen Umzug gedacht?
Nein, das will ich auch nicht wirklich. Ich bin glücklich damit, dass ich in einer Blase produziere. Ich will gar nicht zu sehr von jemand anderem beeinflusst sein, dass meine Musik nach jemand anderem klingt. Ich will das schaffen, was in meinem Kopf entsteht.

Mein zweites Album mag ich zum Beispiel überhaupt nicht mehr. Ich war mit Josephine Foster auf Tour und habe mich völlig in ihre Art zu singen verliebt – sie hat ein paar Semester Operngesang studiert. Ich fing an, mit dieser falschen, opernartigen Stimme zu singen. Auch wenn die Songs gut sind, singe ich auf der ganzen Platte mit einer Stimme, die nicht mir gehört. Jetzt habe ich meine natürliche Stimme wiedergefunden. Leute färben leicht auf mich ab, deshalb will ich niemandem zu Nahe kommen. Ich bin dann wie ein Schwamm.

Ich glaube, ich mag es auch lieber, Freunde zu haben, die nicht aus der Musikszene kommen. Das ist ein Hauch Realität, wenn das Leute sind, mit denen ich groß geworden bin oder so. Und auch meine Familie. Was Szenen betrifft bin ich eher die Einzelgängerin.

Aber du bist natürlich trotzdem von anderer Musik beeinflusst, nicht nur aktueller, sondern der ganze Kanon der US-amerikanischen Musik – Bruce Springsteen, Leonard Cohen, Billie Holiday, die ganze Folktradition...
Ja, ich höre viel alte Musik und zwinge mich, neue Musik zu hören, weil ich ja weiß, dass auch jetzt gute Sachen entstehen. Ich sehe mich nicht als...Wir werden sehen, wenn ich sterbe, ob meine Arbeit in den Kanon eingehen wird. Darüber denke ich nach. J. D. Salinger hat Bücher geschrieben, seit er sich im Wald isoliert hat, die er dann verschlossen und eingegraben hat zur postumen Veröffentlichung. Ich denke darüber nach, ob meine Arbeit gut ist, ich irgendetwas Positives für die Gesellschaft beitrage. (Zögert ein wenig) Ich denke wirklich über solchen Kram nach, ob das, was ich mache einen Wert hatte, wenn ich sterbe. Oder ob ich meine Zeit verschwende und lieber in einem Obdachlosenheim arbeiten sollte. Ist Kunst ein Weg, den es sich zu gehen lohnt? Ich glaube zwar, dass eine Welt ohne Kunst ein trauriger Ort wäre. Aber etwas Altruistisches wäre vielleicht besser?

Aber was du grad machst macht dir doch offensichtlich Spaß, oder nicht?
Natürlich! Ich spiele gern Musik und schreibe gern Songs. Ich interagieren gern mit Menschen. Touren ist sehr schwer – das wird dir jeder sagen.

Ja, besonders mit Beziehungen...
Ich habe keine Beziehungen.

Es ist ja in erster Linie schwierig, eine aufzubauen. Die Mehrheit meiner Interviewpartner sind Männer. Die sind da vielleicht etwas lockerer, aber für sie ist das auch schwer. Und manche sind verheiratet und sind 2/3 ihrer Lebenszeit auf Tour.
Das ist das Problem. Du wählst diesen Weg und trägst die Konsequenzen. Ich beschwere mich auch nicht. Andere Leute würden töten, um für ihre Kunst Anerkennung zu bekommen. Das ist etwas Besonderes. Das nehme ich auch nicht als selbstverständlich hin - keinen der Leute, die zuhören. Ich habe hart dafür gearbeitet, und bin jahrelang ausgiebig getourt. Man gibt eine Menge Stabilität auf, um so viel zu reisen. Es klingt glamourös, ist es aber nicht. Vielleicht ist es glamourös, wenn man Superstar-Status erreicht hat und die Leute dich wirklich pampern. Aber ich bin gar nicht der Typ, der so was wollen würde.

Aber du planst schon, diesen Weg so weiter zu gehen oder hast du andere Pläne, was du in drei, vier Jahren machen willst?
Oh ja, in drei, vier Jahren will ich weniger touren, aber ich will weiter Alben veröffentlichen. Ich will schon, nachdem ich mit diesem Album-Zyklus durch bin, weniger touren. Wie Kate Bush, die hat in ihrem ganzen Leben eine einzige Tour gemacht. Man muss also nicht unbedingt touren, und wenn es meine emotionale Gesundheit zu sehr angreift höre ich vielleicht auch ganz damit auf.

Machst du eigentlich noch immer Bildende Kunst?
Ja, ich bin da wieder ein wenig dazu zurückgekommen. Ich mache diese Kissen mit Egon Schiele-Akten drauf, die ich besticke. Ich habe auch wieder angefangen zu malen. Ich habe aber eine lange Pause gemacht nach der Kunstschule. Ich war so desillusioniert war vom Elitismus der Bildenden Kunst. Ich hasse Kunstmuseen. Da geht es nur um Geld und Reichtum und was cool und hip ist. Ich bin überhaupt kein Fan von zeitgenössischer Konzeptkunst.

Ich wäre gern Porträtmalerin, bin dafür aber schätzungsweise in der falschen Generation geboren worden. Ich war sehr gut bei Porträts, aber dann war ich auf der RIS-D (Rhode Island School of Design), die Kunstschule, wo ich studiert habe, und das war nicht wirklich cool. Das war die Zeit der Konzeptkunst wie weiße Räume, so: „Schau dir meinen weißen Raum an!“ - mit so einem Müll kam ich nicht klar. Mir fehlte da die Toleranz für das Prätentiöse des Ganzen.

Vielleicht ist das der Grund, warum ich Folkmusik so mag. Musik ist etwas, was jeder mag. Die Leute mögen auch Kunst, aber ich glaube, das ist mehr eine Klassensache. In Kunstmuseen gehen meistens nur Reiche, aber Musik mag jeder. Und Folkmusik - meine Musik, ob ich jetzt sage, ich bewege mich etwas weg vom Folk oder nicht, ist noch sehr in dieser Tradition verhaftet, weil ich sie mochte, da sie nicht so prätentiös war, sondern wirklich echt, und wirklich roh und emotional. Im Gegensatz zu sagen wir Mondrian, den ich wirklich nicht mag, auch wenn mich Leute deshalb für bekloppt halten. Ich mochte immer figurative Malerei, ich mag Lucian Freud und so was sehr gern.

Als du von den weißen Räumen sprachst, musste ich darüber nachdenken, was für Musik dazu passen könnte. Ich kam auf Minimal Techno.
Ich mag Minimal Techno nicht! Das ist alles eine Geschmacksfrage. Ich mag mehr opulente Sachen, wie Art Nouveau, Schnörkeleien. Meine Musik klingt für mich auch genau so.