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„Such Dir Leute, die Dich feiern!“

Interview: Barbara Mürdter

Die drei Rapperinnen / Sängerinnen Shon B, Shunda K und Jwl.B sorgten unter dem Namen Yo! Majesty in den letzten zwei Jahren für Aufsehen in der Indie-Musikszene. Nach einem Auftritt auf dem SXSW 2007 tourten sie unter anderem mit The Gossip und CSS. Sie wurden vom renommierten Indie-Label Domino verpflichtet, auf dem sie ihr Debütalbum "Futuristically Speaking...Never Be Afraid" veröfffentlichten.

Dabei war es nur bedingt ihre Musik - eine Mischung aus HipHop, Elektro, Rock und Funk -, die für Aufregung sorgte. Die drei schwarzen Arbeiterfrauen aus der 300 000-Seelen-Stadt Tampa in Florida fielen vor allem mit ihren Texten, ihrer Show und ihrer Haltung auf. Sie hatten nicht die geringste Lust, sich vorgegebenen Weiblichkeitsbildern aus HipHop und R&B anzupassen. Sie wollten es ihren männlichen Kollegen gleich tun – prollen was das Zeug hält, als bekennende Lesben über Frauen und Sex rappen, und auch mal oben ohne auf der Bühne auftreten, wenn ihnen danach ist.

JWL.B, Yo! Majesty / Foto: Barbara Mürdter


Das führte dann zu unterschiedlichen Reaktionen in der Musikpresse – einige fanden ihr Auftreten emanzipatorisch, andere sahen nur eine Fortsetzung des männlichen Chauvinismus im Rap unter anderem Vorzeichen.

Im März waren Jwl.B und Shon B zu ihrer einzigen Deutschlandshow in Berlin. Der Auftritt war allein durch JWL.Bs körperliche Präsenz ein erhobener Fuckfinger gegen persönliche und gesellschaftliche Unterdrückung, und eine Feier von Würde, Stolz und Unabhängigkeit. Leider konnte ich nur sehr kurz mit Jwl.B sprechen, so dass die tiefer gehenden Fragen außen vor blieben. Trotzdem ein interessantes Gespräch, das unbedingt noch einmal weiter geführt werden muss.

Ich habe gelesen, dass der Name Yo! Majesty sich auf Gott bezieht.
Als ich damit ankam, war es „Yeah“ Majesty. Die Gruppe hat dann „Yo“ Majesty draus gemacht. Erst hat uns David (Alexander von HardFeelings UK) immer so genannt, und wir bestanden darauf, dass es „Yeah“ heißt. Aber dann haben wir diese ganzen betrügerischen Verträge am Hals gehabt und uns entschlossen, einfach tatsächlich „Yo“ Majesty zu heißen. Das hat alles nichts mit Religion zu tun.

Mit welcher Musik bist Du aufgewachsen?
Gospel.

Also hast Du als Kind und Jugendliche nur Gospel gehört?
Ich durfte nur Gospel hören. Aber heimlich habe ich auch andere Musik gehört.

Wann hast Du diese anderen Musikstile entdeckt?
Schon als Kind. Ich konnte jeden Tag auf die Straße gehen und andere Musik hören, Musik war immer um mich.

Wann hast Du Dich entschieden, selbst Musik zu machen?
Da war ich vielleicht vier.

Da wolltest Du wahrscheinlich eine Gospel-Sängerin werden?
Nein, einfach eine Sängerin. Punkt.

Wann hast Du Dich dann entschieden, Musik auch zum Beruf zu machen?
Ich glaube, es hat mich entschieden. Ich war eine der vielen Künstlerinnen in Tampa, die keiner kannte und die bei Wendy's gearbeitet hat. Dann sind wir auf dem SXSW-Festival aufgetreten, 2006 oder 2007 war das, und seitdem sind wir nur noch auf Tour.

Du siehst Dich nicht als HipHop-Künstlerin. Gibt es eine neue globale Tanzmusikszene, der Du Dich verbunden fühlst?
Ich fühle mich schon der HipHop-Szene verbunden, aber ich kann mich, JWL, nicht als HipHop-Künstlerin bezeichnen. Ich bin viel mehr als das.

Was heißt „viel mehr“ für Dich?
Punk, Rock, Gospel, Soul, R&B, Funk.

Schreibst Du nur die Texte oder auch die Musik? Ihr habt ja mit dem Electro-Duo HardFeelingsUK gearbeitet.
Die haben Yo Majesty den elektronischen Klang gegeben. Als sie uns das vorgespielt haben, konnten wir nichts damit anfangen. Wir wollten typische HipHop- und R&B-Musik. Aber David Alexander, der damals in Tampa wohnte, war der einzige, der uns kostenlos Tracks zur Verfügung stellte und ein Studio. Alle anderen wollten bezahlt werden. Alle anderen, die ich in der Musikszene da kannte, wollten Geld verdienen. Also mußten wir mit demjenigen spielen, der dazu bereit war, so mit uns zu arbeiten und es hat sich letztendlich als gut herausgestellt.

Die Texte schreibst Du?
Als uns David die Tracks gegeben hatte, wußten wir erst mal ein paar Monate nicht, was wir damit anfangen sollen. Dann habe ich mich entschlossen, mich einfach auf die Kreativität in den Songs einzulassen. Alle Mitglieder habe ihre Texte geschrieben, aber ich habe die Hooklines gemacht, die Textbedeutung oder worüber wir sprechen. Also ich habe mit der Hookline angefangen und meinen Text dazu gegeben, und dann haben die anderen Mädels ihren Text dazugefügt.

In welcher Tradition siehst Du Deine Texte – in einer HipHop-Tradition oder auch in einer afroamerikanischer Frauen aus den 20ern, 30ern...
(lacht) Wie ich sagte ist Yo! Majesty-Musik nicht nur HipHop, auch wenn der drin vorkommt. Es sind viele verschiedene Sounds zu einem gemischt.

Ich meinte eigentlich die sexuell expliziten Texte. Das ist nicht so typisch für Rock, sondern eben für HipHop oder auch den Blues.
Wenn ich die Lyrics oder die Hookline schreibe, versuche ich nicht, mich an eine Tradition anzupassen. Ich denke nicht darüber nach, was die Leute denken werden. Ich schreibe, was ich fühle - ob ich meinen Spaß haben will, oder Leute zum Tanzen bringen will, oder was auch immer. So schreibe ich meine Musik – da bin nur ich, der Stift und das Papier.

Weil Du eine Frau und auch lesbisch bist, bist Du ein Rollenvorbild für andere geworden...
Das ist mir klar. Ich habe mich zwar selbst nie als Rollenvorbild gesehen – aber mein Gott, warum nicht! Danke (lacht). Ich bin einfach stark, allgemein eine starke Frau. Was die Leute im Bett machen, wen sie ficken und lutschen, sollte dabei doch egal sein. Ich glaube, die Leute respektieren Yo! Majesty, oder mich, als Künstlerinnen. Erst dann sagen sie: Ach ja, sie ist lesbisch. Yo Majesty, die sind cool – das sagen die Leute immer zuerst. Und dann: Oh ja, die sind auch lesbisch. Dass ich lesbisch bin ist nur ein kleiner Teil von mir, nicht alles. Meine Persönlichkeit ist viel mehr als meine sexuelle Orientierung. Ich habe eine starke Persönlichkeit.

Ich wollte das jetzt auch nicht auf das Lesbisch sein reduzieren. Ich hoffe, das hast Du nicht falsch verstanden.
Nein, nein, keineswegs.

Wen würdest Du als Deine Rollenvorbilder benennen?
Shaka Khan, Erykah Badu, Aretha Franklin...weil wir aus der selben Ecke kommen. Oprah Winfrey. All diese Frauen sind wie ich in der Kirche groß geworden (lacht) und haben eine Stimme mit Seele. Sie alle haben viel mitgemacht um dahinzukommen, wo sie sind. Tina Turner ist auch ein großes Rollenvorbild für mich, Prince...ich könnte endlos weiter machen. Bilal, Jamie Foxx...

Ich bin für mich selbst ein Rollenvorbild. Und meine Schwester, Vita Faye Brown, sie ist ein Vorbild für mich, stark zu sein, den Kopf oben zu halten bei allem was man tut, und wenn man was macht, es auch gut zu machen, so gut zu sein wie man kann, egal was man macht.

Ihr habt mit vielen Leuten zusammen gearbeitet, CLP, aber auch Peaches und Beth Ditto von The Gossip, die euch mal interviewt hat. Seht ihr euch als Teil einer größeren Community oder sind das einzelne Leute, die ihr mögt?
Es ist eher die Indie-Szene, die auf uns aufmerksam wurde. Als Yo! Majesty kam, wußten wir nicht, wer Spank Rock war, oder Beth Ditto oder M.I.A. Wir wußten nicht mal, dass es dieses Musikgenre überhaupt gab! Sie haben uns angenommen, also nehmen wir sie an. Wenn Leute mit uns zusammen arbeiten wollen, dann sollen sie.

Die sind also auf euch zu kommen?
Also Peaches kam zu uns nach einer Show und hat mit uns dieses kleine Videoding in LA gemacht. Wir hatten Spaß mit ihr! Für Beth Ditto waren wir Vorband, als wir anfingen auf Tour zu gehen. Wir haben Backstage miteinander geredet. Wir haben viel gemeinsam. Sie ist ein Mädchen vom Lande und ich auch (zögert dabei ein wenig). Ich warte immer noch auf eine Zusammenarbeit mit Beth. (Rapt:) Hallo Beth! Ich hab versucht dich zu erreichen! Du hast mir ja sogar erzählt, dass Du davon geträumt hast, dass wir mal was zusammen machen! Ich freu mich da noch immer drauf! Mach mich heiß! Ich habe Säcke voller Juwelen! Kontaktier mich auf MySpace, dann können wir was zusammen machen!

Ihr seid aus Tampa, Florida. Ein Ort, den ich grade mal von der Landkarte kenne. Wie sieht die Musikszene dort aus?
Wenn es um Künstler geht, ist Tampa ein sehr politischer Ort. Es ist sehr schwer für Künstler von dort, sich Gehör zu verschaffen. Mangelnde Geldquellen und Kontakte. Die Leute fahren einfach an der Stadt vorbei nach Miami. Aber ich sage Dir: Tampa, wir haben unseren eigenen Sound! Vor JWL oder anderen gab es einen eigenen Tampa-Sound. Das sollten sich die Leute anhören! Es gibt wirklich talentierte Leute dort. Ich mag die Stadt wegen ihres Sounds und der Eigenständigkeit, die er hat. Wir versuchen unsere Sache im Untergrund zu machen. Es ist schwer ins Radio zu kommen, und wenn muss man all diese unnötigen Sachen machen – in New York ist das alles tausendmal einfacher. Aber hoffentlich ändert sich das. Seit ich um die Welt toure, habe ich immer meine Stadt hochgehalten!

Du sagst politisch. Meinst du das im Sinne von politischen Inhalten oder die Tatsache, dass die Bands nicht wahrgenommen werden?
Die Tatsache, dass die Bands nicht wahrgenommen werden.

Siehst Du Yo! Majesty als politische Band, oder als Band mit einer Botschaft?
Ich sehe mich selbst nicht als politisch. Ich kann nur für mich selbst sprechen. Ich bin nur ein Mensch mit Talent. Ich will meine Musik den Leuten geben, die ihren Spaß daran haben sollen, und lasse einfach jeden wissen: Habe niemals Angst davor, Deinen Träumen zu folgen und Dein Glück zu suchen. Was immer Du auch machen willst, lass Dich nicht von Leuten davon abbringen, die Dich klein und fertig machen wollen. Von solchen Leuten muss man sich fernhalten und sich Leute suchen, die einen feiern und nicht einfach hinnehmen.

Das Interview zum Hören.

This is the original English audio of the interview


Video: