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Laura Veirs / Foto: Presse (David Belisle)

Ein Gespräch mit Laura Veirs

"Musikerin sein ist Loslösung vom Selbst"

Interview

Die US-amerikanische Singer-Songwriterin Laura Veirs hat sich in über 10 Jahren eine treue Fangemeinde erspielt. Jetzt wagt sie den Schritt, ihre Alben wieder in Eigenregie zu veröffentlichen. So hatte sie einmal angefangen und war schließlich mit ihrem letzten Album auf dem Warner-Unterlabel Nonesuch gelandet. Jetzt gründete sie ihr eigenes Label. Unterstützung findet sie bei ihrem Lebenspartner Tucker Martine, der sich in der gleichen Zeit wie Veirs als Musikerin einen internationalen Ruf als Produzent erarbeitet hat.

Von ihrem Heimstudio in Portland arbeiten sie quasi als Familienbetrieb, eine Art organische Farm, mit befreundeten Musikern, die man mal hier oder da in Projekte einbindet. So versucht man sich von herkömmlichen Strukturen der Plattenproduktion zu lösen und wieder zu den Wurzeln des Musikmachens zurückzukehren. Kein Wunder, dass sich Veirs zur traditionellen US-amerikanischen Musik britischer und irischer Folktradition hingezogen fühlt – auch wenn Punk und Blues mitschwingen.

Veirs ist es dabei wichtig, die Tradition souveräner, aktiver Frauen in Punk, Blues und Country weiter zu verfolgen – Rollenvorbilder, die sie viel zu spät entdeckt habe. Wie viele junge Musikerinnen ihrer Generation setzt sie dabei auf einen unaufdringlichen, pragmatischen Feminismus. Machen statt klagen, was nicht heißt, dass die strukturellen Mechanismen nicht reflektiert werden. So unterstützt sie ein Mädchenprojekt in Portland, wo diese zum aktiven Musikmachen animiert und so gestärkt werden sollen.

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Hendrick Weber alias Pantha Du Prince / Foto: Barbara Mürdter

Ein Gespräch mit Hendrick Weber alias Pantha Du Prince

Geschichten im Club

Interview

Hendrick Webers Wurzeln liegen in der Indiemusik – begeistert von der Hamburger Schule zog er Mitte der 90er in die Hafenmetropole, seine aktive musikalische Karriere begann er als Bassist der Indie-Band Stella. Dann wandte er sich immer mehr der elektronischen Musik zu, die ihn seit seinen Jugenderlebnissen auf Kasseler Raves Anfang der 90er in Form von Detroit House und Minimal Techno begleitet hat. Er veröffentlichte Projekte unter dem Namen Glühen 4, aber vor allem als Pantha du Prince.

Schon vor drei Jahren bekam Hendrick Weber eine E-Mail aus London. Absender war der Geoff Travis, Chef des legendären Londoner Labels Rough Trade. Der war so beeindruckt von Webers zweitem Album unter dem Namen Pantha Du Prince, dass er sich den deutschen Elektromusiker auf sein Label holte und ihm sogar einen nichtexklusiven Vertrag anbot.

Dass heißt, das Weber auch weiterhin mit dem kleinen Hamburger Label Dial verbunden bleiben kann, auf dem er bisher veröffentlichte. Sein neues Album „Black Noise“ nahm er in den Schweizer Alpen auf. Das heißt noch lange nicht, dass es dort entstanden ist – denn die Hauptarbeit fand in Wagners Berliner Studio statt.

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Frank Turner / Foto: Barbara Mürdter

Ein Gespräch mit Frank Turner

Liebeslieder für ein Leben,
in dem man jeden Tag woanders ist

Interview

Junge Bands und Musiker/innen aus England verbindet man heutzutage mit NME-gehypten Rockbands oder Dubstep- und Drum'n'Bass-Künstler/innen. Der 27jährige Frank Turner ist ausgezogen, das Erbe seiner musikalischen Vorfahren aus den 80ern und 90ern weiterzutragen, die ihr Wurzeln in der britischen Folktradition, aber auch im US-amerikanischen Singer-Songwritertum haben. Und natürlich im Punk.

Mit seiner Single „Long Live the Queen“ kam er nicht nur einen Schritt näher an sein Ziel, den perfekten Song zu schreiben, sondern schaffte auch den musikalischen Durchbruch in England. Jetzt will er auch das Publikum auf dem Kontinent überzeugen.

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William Fitzsimmons / Foto: Barbara Mürdter

Ein Gespräch mit William Fitzsimmons

Musik als Heilung

Interview

Der US-amerikanische Singer-Songwriter William Fitzsimmons legte innerhalb weniger Jahre eine Bilderbuchkarriere hin, die illustriert, wie ein bestimmter Musikertypus via Internet, befreundeten Musikern, gutem Gespür und einer gehörigen Portion Glück jenseits der konventionellen Kanäle eine Karriere machen kann. Allein 20 000 CDs über MySpace zu verkaufen ist schon eine Leistung - nur davon und vom Touren mit Freunden leben zu können, ohne dass man eine Plattenfirma hat auch. Zumal man sich derzeit nicht über an einen Mangel an guten Singer-Songwritern beklagen kann.

Williams sticht durch seinen ungewöhnlich offenen und persönlichen Stil heraus, erscheint als ein Mann ohne jede Schutzmauer, der mit Selbstverständlichkeit und Souveränität über intimste Momente seines Lebens singt, und bei aller Trauer und Verletztheit Güte und Lebensmut ausstrahlt. Er wirkt wie ein Fremdkörper in einem Geschäft voller Eitelkeiten, Intrigen und Unehrlichkeit, und hat sich damit und einem unprätentiösen, wohlbeherrschten Singer-Songwriterhandwerk in kürzester Zeit tausende Fans in den USA und Europa erspielt. Derzeit ist er in Deutschland auf Tour – zum dritten Mal innerhalb eines Jahres. Der Unterschied zu den letzten Touren: Diesmal sind die Veranstaltungsorte weitaus größer. Er muss zum ersten Mal beweisen, dass sein Stil auch vor 500 Leuten trägt und er der gewachsenen Erwartungshaltung standhält.

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Diplo / Foto: Barbara Mürdter

Ein Gespräch mit Wesley Penz, aka Diplo

Der Spielveränderer

Interview

Die Auflösung der verschiedenen Musikgenres hat auch vor dem Rap nicht Halt gemacht. Angereichert mit Rock, Funk und Electro, haben sich neuer hybride Formen entwickelt, in eigenen Szenen in England und den USA, vom neuen Genre Grime zu Beginn des Jahrtausends bis zu so unterschiedlichen Künstler/innen und Bands wie M.I.A., Yo! Majesty und Spank Rock.

Eine besonders aktive Szene findet sich in Philadelphia, einer eigentlich eher als hinterwäldlerisch verschrieenen Metropole im Osten der USA, Heimat des Philly-Sounds, einer süßlichen, opulenten Disco-Variante von Mitte der 70er, aber auch von Neo-Soul und Rap in Gestalt von Erykah Badu, Talib Kweli, Common oder The Roots. Dort hat sich in den letzten Jahren die so genannte „New Philly“-Szene entwickelt, mit Künstler/innen wie Spank Rock, Santigold und Amanda Blank.

Einer der wichtigsten und international bekanntesten Protagonisten dieser Szene ist der DJ und Produzent Wesley Penz, aka Diplo. Erstes Aufsehen erregte er vor fünf Jahren mit Mixes, die auf den britischen Kultlabel Big Dada erschienen, und dem eklektizistischen DJ-Projekt Hollertronix. Dann entdeckte er den Baile-Funk aus den Favelas von Rio und brachte ihn in den Westen. Den Stil verwandte er auf zahllosen Remixen und Produktionen wie dem Track „Bucky Done Gun" auf M.I.A.s Debütalbum "Arular". Jetzt wendet er sich nicht nur neuen Musikrichtungen, sondern auch seinen ersten Filmprojekten zu.

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William Elliot Whitmore / Foto: Barbara Mürdter

Ein Gespräch mit William Elliott Whitmore

Zurück zur Ursuppe

Interview

Blues sei tot, hieß es lange. Jetzt wagt sich die eine oder andere Indieband wie die White Stripes oder die Black Keys wieder an das Genre. Aber ebenso wie in anderen Musikrichtungen ist hier eine starke Vermischung zu beobachten: Der Punk spielt seit Jahrzehnten schon als Haltung mit, aber auch Einflüsse aus Soul, Jazz, Folk und Country. Hier lösen sich die Genregrenzen auf, die in der ersten Hälfte des Jahrhunderts geschaffen worden sind, um die Produkte der neu entstehenden Plattenindustrie zu vermarkten.

William Elliott Whitmore klingt wie ein Bindeglied zwischen den frühen Country-, Folk- und Bluesaufnahmen, wie man sie zum Beispiel kunterbunt zusammengewürfelt auf der Anthology of American Folk Music findet, und der hybriden Musik von heute. Die Stimme des 31jährigen aus Lee County, Iowa, klingt wie die eines alten schwarzen Mannes, der sein Leben lang hinter dem Pflug übers Feld gelaufen ist, die Texte beschreiben zumeist das Leben auf dem Lande. Dazu kommt ein roher Gitarren- oder Banjoklang, der mystisch-düstere, intensive Vortrag macht den Eindruck der Zeitlosigkeit perfekt.

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Marissa Nadler / Foto: Barbara Mürdter

Ein Gespräch mit Marissa Nadler

Folk mit Schnörkeln

Interview

Die 28jährige Bostoner Musikerin und Malerin Marissa Nadler liebt es altmodisch und feminin: Sie mag Spitzen, Schnörkel und morbiden Folk. Sie selbst erscheint in ihrer ätherischen Art, mit ihrem glockenhellen Mezzosopran und wallenden Kleidern wie der gütige Todesengel. Musikalisch reichen die Referenzen durch die US-amerikanische Musik zurück bis in die alte Folktradition der britischen Inseln. In den Songs lauern Geister, Gespenster und Tote, irre Gestalten und liebende und verlassene Frauen. Immer wieder finden sich bei ihr auch literarische Bezüge, von Edgar Allen Poe über Virginia Woolf bis zu Pablo Neruda.

Auf der anderen Seite ist Nadler sie eine moderne junge Frau, die sich als stark und ihre Haltung als „postfeministisch“ beschreibt. Auch wenn sie in ihrem eigenen Universum vor sich hin werkelt und ihre Welt erschafft, steht sie im Kontext der Psych Folk-Szene, die sich in den letzten Jahren in den USA entwickelt hat und zu der u.a. auch Alela Diane oder Joana Newsome gerechnet werden. Diese wieder ist Teil der New Folk-Szene, bereits vor drei Jahren in den einschlägigen Feuilletons ausgemacht wurde, aber immer noch neue Stars hervorbringt.

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JWL.B, Yo! Majesty / Foto: Barbara Mürdter

Ein Gespräch mit Jwl.B von Yo! Majesty

„Such Dir Leute, die Dich feiern!“

Interview, Audiointerview (English)

Die drei Rapperinnen / Sängerinnen Shon B, Shunda K und Jwl.B sorgten unter dem Namen Yo! Majesty in den letzten zwei Jahren für Aufsehen in der Indie-Musikszene. Nach einem Auftritt auf dem SXSW 2007 tourten sie unter anderem mit The Gossip und CSS. Sie wurden vom renommierten Indie-Label Domino verpflichtet, auf dem sie ihr Debütalbum "Futuristically Speaking...Never Be Afraid" veröfffentlichten.

Dabei war es nur bedingt ihre Musik - eine Mischung aus HipHop, Elektro, Rock und Funk -, die für Aufregung sorgte. Die drei schwarzen Arbeiterfrauen aus der 300 000-Seelen-Stadt Tampa in Florida fielen vor allem mit ihren Texten, ihrer Show und ihrer Haltung auf. Sie hatten nicht die geringste Lust, sich vorgegebenen Weiblichkeitsbildern aus HipHop und R&B anzupassen. Sie wollten es ihren männlichen Kollegen gleich tun – prollen was das Zeug hält, als bekennende Lesben über Frauen und Sex rappen, und auch mal oben ohne auf der Bühne auftreten, wenn ihnen danach ist.

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Jesse Hughes / Foto: Barbara Mürdter

Ein Gespräch mit Jesse Hughes,
dem Frontmann der Eagles of Death Metal:

"Man kann im Rock'n'Roll nichts Neues erfinden"

Audiointerview (English)

Jesse Hughes ist ein klassisches Gewächs des US-amerikanischen Südens, musikalisch wie in seiner Weltsicht. Er wurde von Classic Rock Radio, Rock'n'Roll, Country und Gospel geprägt. Später kam dann Punk à la Black Flag dazu. Musikalisch führte das zu einem recht interessanten dritten Album namens „Heart On“, das im Frühjahr erschien und mit dem Hughes grad auf Festivaltour in Deutschland war.

Politisch führt der Zusammenprall von stockkonservative Werten im mit der modernen Welt jedoch zu ziemlich abstrusen Verwerfungen. Im Interview kramt er so tief in der Südstaaten-Klischeekiste des vormodernen Denkens, dass nicht nur dem eher linksgerichteten Europäer Angst und Bange wird, dann wiederum bezeichnet er den schwarzen und schwulen Little Richard als sein Rollenvorbild. Damit taugt er auch nicht als Idol für stramme Rechte.

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André Williams / Foto: Barbara Mürdter

Ein Gespräch mit dem Chicagoer
Musiker André Williams:

"Ich passe mich dem Markt an"

Interview

Der Chicagoer Musiker André Williams, Jahrgang 36, ist eines jener Musikfossile, die die ganze Rock'n'Roll-Ära selbst dabei waren, und noch vom Country, Blues und Jazz der Nachkriegszeit gepägt sind. In den 50ern hatte sich Williams, der mit seiner Mutter aus dem ländlichen Alabama in den Norden gekommen war, entschlossen Entertainer zu werden. Er konnte nicht singen, hat sich aber mit schmutzigen Texten und feschen Anzügen à la Cab Calloway profiliert. Er hatte ein paar Hits. Später arbeitete er immer wieder mal für Motown. Chef Barry Gordy störte sich aber an seiner direkten Art. Irgendwie war er immer dabei - als Musiker, Autor und Produzent. Als er Anfang der 70er für Ike Turner arbeitete, entdeckte er seine Liebe zum Kokain. Das hielt ihn lange Jahre im Griff – seine Karriere schien erstmal besiegelt.


Ende der 90er sammelten ihn junge weiße Fans unter einer Brücke in Chicago förmlich wieder auf und verhalfen ihm zu einer zweiten Karriere. Er kam beim Alternative Country-Label Bloodshot unter und bekam Unterstützung von jungen Musikerkollegen wie Jon Spencer. Im letzten Jahr erschien ein Dokumentarfilm über ihn, "Agile, Mobile, Hostile", in dem klar wurde, wie sehr er noch immer mit seinen Dämonen kämpft.

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Patrick Wolf / Foto: Barbara Mürdter

Patrick Wolf und
sein neues Album "The Bachelor":

Peter Pan will erwachsen werden

Radiobeitrag, Audiointerview (English)

Das neue Album des Londoner Musikers Patrick Wolf hätte es um ein Haar nicht gegeben. Oder es wäre ein Doppelalbum geworden. Im Streit um die musikalische Ausrichtung war er vom Major Label Universal geflogen. So stand er mit 40 Songs, aber ohne Finanzierung für die Endproduktion da.

Er entschloss sich zu einem Kompromiss: Er verteilte die Songs auf zwei Alben. Das erste, jetzt erschienene „The Bachelor“ finazierte er aus Vorabzahlungen, die Fans über die Seite bandstocks.com leisteten. Das zweite Album „The Conquerer“ will er in diesem Jahr fertig stellen, mit den Einnahmen aus dem jetzt erschienen Album. Es soll dann im nächsten Frühjahr veröffentlicht werden.

Das Material entstand in einer langen Phase der Einsamkeit und Depression nach mehrjährigem Non Stop-Touren. Währed der Arbeit am Album fand er jedoch wieder zu sich selbst, wurde erwachsener – und traf eine neue Liebe.

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